
Das Produktgeschäft entwickelte sich besser als erwartet. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 12 % auf 1.157 Mio. € (i.V. 1.032 Mio. €). Der Anteil der Erlöse aus dem Produktgeschäft am Gesamtumsatz blieb mit 59 % auf dem Vorjahresniveau.
Das Produktgeschäft war geprägt von einer deutlich stärkeren Nachfrage nach höherpreisigen High-End-Systemen und von der sehr hohen Nachfrage nach weniger komplexen Systemen, durch die erhebliche Skaleneffekte erreicht wurden.
Vor diesem Hintergrund wurde der globale Entwicklungs- und Fertigungsverbund im abgelaufenen Geschäftsjahr weiterentwickelt. Verringerte Herstellungskosten, eine gleich bleibend hohe Produktqualität und kurze Lieferzeiten haben maßgeblich zur Stärkung des Produktgeschäfts beigetragen. Das Werk in Shanghai wurde ausgebaut. Erstmals wurden im Geschäftsjahr 2005/2006 im Werk Singapur Geldautomaten und Kiosksysteme für den asiatischen Markt gefertigt. Dadurch konnten die Lieferzeiten deutlich reduziert werden. Dieses Konzept der marktnahen Fertigung (»local for local«) ist ebenso am Fertigungsstandort São Paulo umgesetzt worden.
In unserem weltweiten Produktionsnetzwerk ist der Standort Deutschland (Paderborn, Arnstadt) als Technologielieferant für mechatronische Komponenten, Recycling- und Depositsysteme von zentraler Bedeutung. Außerdem wird der europäische Markt von Paderborn aus logistisch betreut.
Ein weltweites Produktionsnetzwerk funktioniert nur mit einer IT-Standardisierung über alle Prozesse – von der Produkteinführung über die Produktlieferung bis zum Qualitätsmanagement. Daher wurde im Berichtsjahr die einheitliche IT-Plattform für alle Produktionsstandorte erweitert und verbessert. Standardisierte Prozesskennzahlen (Key Performance Indicators – KPIs) ermöglichen dabei ein Prozesscontrolling und entsprechende Effizienzverbesserung.
Im Solutions/Services-Geschäft konnte wie bereits im Vorjahr prozentual ein zweistelliges Wachstum erreicht werden. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 11 % auf 791 Mio. € (i.V. 712 Mio. €).
Das Wachstum spiegelt sich allerdings nicht im Anteil des Solutions/Services-Geschäfts am Gesamtumsatz wider. Wie im Vorjahr beträgt der Anteil von Solutions/Services am Gesamtumsatz 41 %. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Umsatz sowohl im Produkt- als auch im Solutions/Services-Geschäft nahezu gleich stark angestiegen und damit der jeweilige Anteil am Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahr unverändert ist. Langfristig soll der Anteil von Solutions/Services überproportional steigen und etwa 50 % des Umsatzes ausmachen.
Zum Ausbau des Solutions/Services-Geschäfts haben wir unser globales Netzwerk lokaler Solution Competence Center weiter gestärkt. Damit gewährleisten wir die weltweite Implementierung, Aktualisierung und Integration der Lösungen in die IT-Landschaften unserer Kunden. Die enge Zusammenarbeit vor Ort sorgt dafür, dass wir in die Weiterentwicklung der Geschäftsprozesse unserer Kunden eng eingebunden sind und ihnen neue Lösungsvorschläge unterbreiten können.
Sowohl bei Banken als auch im Handel standen die Themen Offenheit, stärkere Internationalisierung sowie die Erweiterung unserer Software-Lösungen um neue Funktionen im Vordergrund.
Die Multichannel-Software-Architektur ProClassic/Enterprise, die den Banken Investitionsschutz und Flexibilität garantiert, etabliert sich weiter und wurde im abgelaufenen Geschäftsjahr in den Netzwerken einiger Großbanken installiert. Die bereits starke Position im Bereich Middleware für Retailbanken konnte damit gefestigt werden. Ferner ergaben sich im Umfeld der Installationen bereits erste Folgeaufträge. Positiv war auch die Nachfrage nach Software zum Betrieb von Geldautomatennetzwerken unterschiedlicher Hersteller. Hier erhielten wir erneut eine Reihe von Aufträgen internationaler Großbanken. Erfolge haben wir auch mit unserer Software zur Fernüberwachung von Selbstbedienungssystemen (ProView) erzielt. Zum ersten Mal haben Banken außerhalb Deutschlands im abgelaufenen Geschäftsjahr diese Software zur Steuerung von Prozessen der »bedienten Selbstbedienung« bestellt.
Durch den Gewinn bedeutender Aufträge bei großen, international tätigen Handelsunternehmen sind wir unserem Anspruch eines globalen Anbieters ganzheitlicher Lösungen für Handelsfilialen ein großes Stück näher gekommen. Gleichzeitig haben wir unsere Filiallösungen um weitere Funktionen zum Betrieb neuer, automatisierter Checkout-Konzepte sowie um Funktionen zur zentralen Analyse betriebswirtschaftlicher Daten erweitert.
Das Services-Geschäft konnte sein überproportionales Wachstum der vergangenen Jahre fortsetzen. Großen Anteil daran hatten ein weiterhin sehr gutes Deutschland-Geschäft sowie ein stark wachsendes Europa- und Asien-Geschäft.
Wincor Nixdorf hat im abgelaufenen Geschäftsjahr weitere Anstrengungen unternommen, die Internationalisierung voranzutreiben. Dafür wurden vornehmlich in westeuropäischen Ländern die bestehenden eigenen Ressourcen verstärkt und die Kapazitäten in osteuropäischen Ländern über Service-Partner erweitert.
In der Region Asien/Pazifik/Afrika, neben den USA die Region mit dem höchsten Wachstumspotenzial im Wincor Nixdorf-Services-Geschäft, gründeten wir ebenfalls neue Service-Partnerschaften und verstärkten in China, Malaysia und Thailand unsere eigene Service-Organisation.
In der Region Amerika forcierten wir den Ausbau einer eigenen Service-Organisation in den USA. In Mittel- und Südamerika haben wir damit begonnen, ein Service-Netzwerk einzurichten.
Produktbezogene Services machen den größten Anteil am Geschäftsaufkommen aus; insbesondere Dienstleistungen, die für einen festgelegten Zeitraum in Verbindung mit dem Kauf SB-/POS-Systemen gekoppelt sind (Packaged-Services). Des Weiteren wurden Service-Angebote, die der präventiven Wartung durch zentrale Fernüberwachung und -steuerung (Remote-Services) von IT-Infrastrukturen, Applikationen und Datenbanken dienen, besonders nachgefragt.
Zum Erfolg beigetragen haben neben Service-Leistungen für Geräte unterschiedlicher Hersteller (Multivendor-Services) auch transaktionsbasierte Abrechnungsmodelle. Bei dieser Abrechnungslösung richtet sich die Service-Pauschale danach, wie häufig die SB-Systeme genutzt werden. Damit werden die Kosten da abgerechnet, wo sie entstehen.
Um Infrastruktur-Services, Remote-Services, IT-Outsourcing bzw. Business-Process-Outsourcing-Services wettbewerbsfähig anzubieten, wird das Service-Angebot zunehmend »industrialisiert«. Das heißt, wir standardisieren und automatisieren das Leistungsangebot, um Skalen- und Qualitätseffekte zu erzielen.
Ein Beispiel dafür ist die »eServices Platform«, auf der Wincor Nixdorf in immer mehr Ländern seine Services anbietet. Störungen der angeschlossenen IT-Systeme werden automatisch gemeldet und die sich daran anschließenden Service-Prozesse, Schnittstellen und Verfahren für Kunden und Partner werden vereinheitlicht. Dies kommt insbesondere dem Interesse großer multinationaler Konzerne an einheitlichen IT-Infrastrukturen und transparenten Prozessen entgegen. Die »eServices Platform« zeichnet sich außerdem dadurch aus, dass sie Service-Leistungen effizient koordiniert und die Leistung für unsere Kunden auf der Basis von vereinbarten Indikatoren (Key Performance Indicators – KPIs) steuert.
Profitiert hat das Services-Geschäft vom Trend, Teilprozesse an Dienstleister auszulagern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Wincor Nixdorf bereits laufende große Outsourcing-Projekte für die Filial-IT von Geldinstituten plangemäß optimiert und andere mit Beginn des Geschäftsjahrs an den Start gebracht (zum Beispiel Wincor Nixdorf Portavis GmbH, Hamburg, Deutschland).
Die Nachfrage nach »Managed-Services« hat sich gut entwickelt. Dabei handelt es sich um Betriebsführungskonzepte für komplette Filial-IT-Infrastrukturen bei Banken und Handelsunternehmen. Zu den Leistungen zählen die Steuerung, Überwachung, Inventarisierung und SoftwareVerteilung für SB-Systeme (zum Beispiel Geldautomaten), POS-Systeme, Clients, Server und Applikationen.

